Kopf

Entstehung der Siedlung Lappenstuhl II

Bis Ende des Jahres 1952 waren fünfzehn Häuser im gesamten Siedlungsgebiet bewohnt.

SiedlerEinlieger
Aulbert, Heinrich; Feik, Walter; Hanke, Herbert; Marewitz, Hans; Meyer, Gottlieb; Molkenstroth, Luise Olschinka, Josef; Vor dem Berge; Wilking, Hermann; Wendland, Max; Bönisch, Erich Aulbert, Wilhelm; Stuckwisch, Lina; Heinze, Ella
Im Bereich östlich des Engter Baches:
Decker, Herbert, Bödecker/Lilie, Else; Opl, Arthur; Opl, Ernst
Hackmann, Johanne; Loch, Karl; Steinkamp, Alwine; Türkenburg, Peter
1953 in Engter:
Bei der Kellen, Friedrich Glumm, Kurt: Graschtat, Franz; Hermes, Wilhelm; Haack, Margarethe; Möller, Heinrich; Raska, Alfred; Schinz, Robert; Vor dem Berge, Willi; Vor den Tharen, Otto; Tappe, Heinrich Vortmann, Emma; Steinkamp, Georg; Hermes, Gerd; Hörnschemeyer, Karl; Möller, Heinrich Novosatko, Hans;Kohn, Heinz und Erwin; Kunoth, Walter; Hasse, Paul
Schleptrup:
Brockmeyer, Friedrich; Brockmeyer, Heinrich; Jedamski, Otto; Sandmann, August  
1954 in Engter:
Baranowski, Stanislaus; Bruse, Wilhelm; Dirla, Leo; Dwuzet, Richard; Hawighorst, Franz; Klatt, Erwin; Müller, Wilhelm; Radke, Arthur; Steinkamp, Walter Bressem, Gerhard/Lehnhoff; Moritz, Erwin; Weitowitz, Fritz; Ahrens, Wilfried; Feige/Sander; Rabe/Lange; Döring, Hans; Klostermann, Heinz; Krämer, Friedrich
1955
Engler, Paul; Gamroth, Hans-Georg; Mattke, Walter; Mergner, Fritz; Pankowski, Walter Schnieder, Heinrich; Unkenholt, Wilhelm Plischewski, Alfred; Gamroth, Karl; von Stuckrad, Heinrich/Peper, Elisabeth; Grafunder, Karl;Mergner sen., Fritz; Pankowski, Stanislaus; Wunschock, Hermann; Splittstößer, Otto

Die Bautätigkeit nahm in den folgenden Jahren kein Ende. Weitere Familien bezogen hier in Lappenstuhl ihre Häuser.
Die Wohnverhältnisse hatten sich nunmehr bedeutend verbessert. Die Häuser waren bezugsfertig und man konnte auch darin wohnen, für damalige Verhältnisse sogar gut. Die baulichen Standards waren aber eher bescheiden. Zum Teil fehlten noch die Treppen vor den Häusern. Säcke lagen vor den Türen, um die Schuhe sauber zu machen, damit der feine Sand nicht in die Wohnung getragen wurde. Plumpsklosetts mit Jauchegruben waren vorhanden. Fenster mit Isolierglas und Jalousien gab es noch gar nicht. Als Badezimmer wurde die Küche benutzt und im Kessel das Wasser für die Zinkbadewanne heißgemacht. Kalkgruben und Steinhaufen konnte man noch nicht beiseite räumen.

Bild: Blick vom Rosengartenweg Richtung Engter Bach

Blick vom Rosengartenweg Richtung Engter Bach, etwa 1957/58

Zu den Auflagen gehörte es, im Hause auch einen Raum als Stall zu berücksichtigen. Der dafür vorgesehene Raum wurde aber von den meisten Siedlern gleich als Abstellfläche benutzt. Wer gegen die Anweisungen Bedenken äußerte, bekam zur Antwort: "Dann werden die finanziellen Mittel nicht bewilligt." Das alles nahm man in Kauf, um endlich in einem eigenen Hause wohnen zu können. Das weitere Kultivieren der Bauplätze erfolgte nach Feierabend, wenn die normale Arbeitszeit beendet war. Die Wegeverhältnisse hatten sich durch die vielen Baufahrzeuge noch verschlechtert. Die nassen, ausgefahrenen Stellen in den Wegen wurden von den Anliegern mit Bauschutt ausgefüllt. Der Rosengartenweg und die Kanalstraße wurden in Gemeinschaftsarbeit von den Bewohnern befestigt. Die vier landwirtschaftlichen Siedler stellten am Wege Pfähle auf und befestigten den als Fahrradweg vorgesehenen Streifen mit Schlacke. So konnte man einigermaßen trockenen Fußes die Wohnungen erreichen. Kam man im Dunkeln von dem befestigten Weg ab, landete man in einer Pfütze. Die Von-Bar-Straße von der Schule bis zur Ringstraße (Engter Bach) glich einer Sandwüste.

Bild:Überschwemmung

Überschwemmung an der Vördener Straße im August 1954. Haus Bei der Kellen, Alte Heerstraße

Vor dem Ausbau des Engter Baches staute sich das Wasser, und bei anhaltendem Regen wurden große Weideflächen überschwemmt. Im August 1954 regnete es so lange und stark, dass durch den Rückstau des Engter Baches am 15. August 1954 Gärten an der Von-Bar-Straße unter Wasser standen. Der Bach an der Vördener Straße konnte die Wassermassen nicht mehr aufnehmen, so dass die Straße und die Wiesen, von Riedemann (das Haus stand damals noch nicht) bis Bei der Kellen an der Alten Heerstraße, überfluteten. Das alles verbesserte sich, als 1955 der Engter Bach durch die Firma Georg Kreutzmann, Rieste, begradigt und ausgebaut wurde. Im Sommer 1955 befestigte man auch die Von-Bar-Straße mit einer Packlage und Feinschlag. Die seinerzeit amtierenden Bürgermeister der Gemeinde Engter, Hermann Steinkamp, und der Gemeinde Schleptrup, Heinrich Brockmeyer, setzten sich mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln für die Weiterentwicklung der Siedlung Lappenstuhl ein.

 

Bild:Überschwemmte Gärten an der Von-Bar-Straße

Überschwemmte Gärten an der Von-Bar-Straße 31 (Haus Hermes)

Die Wasserqualität war und ist auch heute noch im fast gesamten Siedlungsgebiet ein Problem. Nach längerem Stehen in Gefäßen setzt sich eine ölig-braune Filmschicht ab. Ein unangenehmer, mooriger Geruch ist immer noch vorhanden. Einer der ersten Siedler hat im Oktober 1952 vom Chemischen Untersuchungsamt der Stadt Osnabrück ein Gutachten erstellen lassen. Das Ergebnis lautete:

"Das Wasser enthält 13,5 mg Eisen und 0,27 mg Mangan im Liter. Wegen des außerordentlich hohen Eisengehaltes ist es sowohl für Wirtschaftszwecke als auch für Trinkzwecke ungeeignet. Der hohe Eisengehalt würde ein Vergilben der Wäsche verursachen und sämtliche gerbstoffhaltigen Lebensmittel geschmacklich stark beeinträchtigen."

Nach der großen Trockenheit im Jahre 1959, es waren fast alle Brunnen leer, spülte man Bohrbrunnen ein, zumTeil über zehn Meter tief. Aber die Wasserqualität änderte sich dadurch nicht. Um überhaupt einigermaßen waschen zu können, legte man Auffangbecken zum Sammeln von Regenwasser an. Bei längerer Trockenheit oder im Winter bei Frost war kein Regenwasser mehr vorhanden. So musste man sich von Verwandten bzw. bei Bekannten in Nachbargemeinden Wasser besorgen. Im Jahre 1958, als die ersten Häuser am Heidering gebaut wurden, stellte man fest, dass bei einigen Haushaltungen das Wasser gut war. So konnte man sich dort mit Milchkannen am Fahrrad oder im Winter mit Schlitten Wasser holen.
Es dauerte über zehn Jahre, bis im Sommer / Herbst 1964 Wasserleitungsrohre in Lappenstuhl verlegt wurden. Ab 26. April 1965 war es offiziell erlaubt, Wasser aus dem Rohrnetz des Wasserbeschaffungsverbandes Bersenbrück zu entnehmen. Dadurch war den Bewohnern Lappenstuhls eine große Last, aber auch den Hausfrauen eine schwere, mühselige, lästige Arbeit genommen. Eine Waschmaschine gab es zu der Zeit selten, aber man war froh, dass die Wasserschlepperei ein Ende hatte und nunmehr auch ein guter Kaffee getrunken werden konnte.



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